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„Wohnqualität für alle Lebenslagen schaffen“

22. September 2014

Vorträge, praktische Beispiele, persönliche Gespräche und ein geführter Spaziergang vor Ort: Die Energieoffensive Wolfhagen informierte in Istha über ein Mehr an Selbstständigkeit im Alter bei geringeren Betriebskosten für Haus und Wohnen.

„Energetisch Sanieren, barrierefrei Umbauen“ war der Titel der Veranstaltung, zu der die Energieoffensive am Samstag, 20. September 2014, ins Dorfgemeinschaftshaus Istha eingeladen hatte. Vor einer interessierten Zuhörerschaft entwickelte der Förderverein Istha seine Vision eines lebenswerten Dorfes. „Wenn wir in Freunde und Gemeinschaft investieren, bekommen wir Lebensqualität zurück“, so Dieter Schrader in seiner Ansprache zum Auftakt des Projekts „Jeder Isther Nächste“.

Das Stichwort „Lebensqualität“ war eine wunderbare Vorlage für Gudrun Jostes. Die zertifizierte Fachplanerin und freie Sachverständige für barrierefreies Bauen referierte zum Thema „Barrierefreies Wohnen und Leben“. Vor dem Hintergrund ihrer langjährigen Erfahrungen in der Dorferneuerung und dem barrierefreien Bauen, riet die Architektin den Anwesenden, das Thema der energetischen Verbesserung mit Barrierefreiheit zusammen zu denken. „Gestalten Sie Ihr Haus – oder einen Teil des Hauses – frühzeitig barrierefrei um, können Sie möglichst lange dort wohnen bleiben und haben nach der energetischen Sanierung deutlich weniger Betriebskosten. Es kommt Sie unterm Strich günstiger, beide Maßnahmen zusammen ausführen zu lassen“, so die Fachfrau. 
In ihrem bebilderten Vortrag nahm Gudrun Jostes ihre interessierten Zuhörer mit auf eine „Reise“ durch ein ganz normales Wohnhaus und erläuterte an konkreten Beispielen, wie sich auch ein Altbau barrierefrei umgestalten lässt und welche kleinen Maßnahmen bereits im Hier und Jetzt dazu beitragen können, das Leben leichter zu machen. „Darauf müssen Sie nicht warten, bis eine Pflegebedürftigkeit eintritt, sondern Sie können schon heute daran denken und Ihr Haus entsprechend Ihrer individuellen Wünsche und Bedürfnisse umgestalten. Barrierefreiheit bedeutet Wohnkomfort“, so die Expertin. 

Unterwegs mit Rollstuhl, Langstock und Simulationsbrille
Das Denken und Planen beginnt bei der Zuwegung zum Haus, über die es nachzudenken gilt und reicht bis zur Umgestaltung von Wohnräumen, Bad und Küche. Im öffentlichen Raum bzw. bei den Zuwegungen zum Haus müssen vor allem die Oberflächen eben sein, damit sich ältere Menschen sicher darauf bewegen können. Gudrun Jostes berichtete von einem gelungenen Beispiel in der Dorferneuerung, wo ihr eine ältere Dame nach der Neugestaltung eines Bereichs freudestrahlend sagte: „Ich kann jetzt wieder in die Kirche gehen, ohne jemanden zu brauchen, der mit hilft.“ 
Alle Räume des Hauses ging die Architektin mit ihren Zuhörern an konkreten Beispielen durch und gab den Anwesenden auch mal einen Lichtschalter mit kontrastreicher Umrahmung in die Hand, damit diese direkt sehen konnten, was genau sie meint. 
Beim Kaffeetrinken, für das die Frauen vom Förderverein Istha gesorgt hatten, saß die Referentin bei Interessierten am Tisch und ging individuell auf deren Fragen ein. Ein Ehepaar mittleren Alters, das aus Naumburg nach Istha gekommen war, berichtete: „Für uns ist das genau die richtige Veranstaltung. Unsere Mutter ist leicht pflegebedürftig und wir denken jetzt darüber nach, unser Haus umzubauen, damit sie bleiben kann. Das ist ihr Wille, dem wir entsprechen wollen. Und letztendlich bauen wir dann auch für uns um, weil uns das Thema irgendwann genauso bewegen wird.“ 
Parallel dazu konnten sich die Anwesenden am Infostand des Pflegestützpunktes des Landkreises Kassel und einer Ausstellung der Hessischen Energiesparaktion informieren und Informationsmaterialien mitnehmen, um die angesprochen Themen zu vertiefen. 
Im Anschluss daran brach die Referentin mit einer Gruppe von Interessierten zu einem Spaziergang durch Istha auf. Sie konnten sich mit Rollstühlen, Simulationsbrillen oder Langstöcken ausstatten und ganz konkret ausprobieren, was es bedeutet, mit einer Einschränkung der Mobilität oder anderen Einschränkungen, die das Älterwerden mit sich bringt, unterwegs zu sein. Dabei beäugten und begleiteten die auf der Straße spielenden Kinder neugierig die Gruppe. Auch für sie eine neue Erfahrung.

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